劍虹  武館  德國  CHIEN HONG  WU GUAN  DE GUO 
"SAN YAO SU"- Verein für chinesische Kampf- & Bewegungskünste e.V. 

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)


TCM & Kampfkunst:

Wie ist die enge Verbindung der traditionellen chinesische Kampfkünste (vor allem die Familienstile) mit der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) zu erklären?

Diese Verbindung ist geschichtlich begründet. Die chinesischen Kampfünste haben sich u.a. aus einem Bewegungssytem heraus entwickelt, welches eigentlich dazu gedacht war, die Mönche aus Shaolin körperlich und geistig zu stärken für die Meditationen der neuen Religion des Chan - Buddhismus. Damo (Boddhidharma), ein Wandermönch aus Indien brachte diese neue Religion nach China, um sie dort weiter zu verbreiten. So kam er auch ins Shaolin Kloster in Fujian. Dort musste er aber feststellen, das die Mönche die Meditationshaltungen nicht ausreichend lang durchstehen konnten, und so lehrte er sie verschiedenen Bewegungsübungen, später bekannt als die "18 Übungen der Lohan" (Lohan = Schüler Buddhas). Diese Übungen wurden später immer weiter ausgebaut, und im Laufe der Geschichte entwickelten sich daraus auch die Kampfkünste.

Obwohl die chinesischen Kampfkünste immer wieder auch kriegerisch genutzt wurden, bewahrten viele der alten Meister das Wissen um die gesundheitliche Wirkung. Auch waren viele der alten Meister zugleich Heiler oder Kräuterkundige, wie auch Hung Hei Gung, der Begründer des Hung Gar.

Schaut man sich heute die TCM an, so erkennt man immer noch die Verbindung zu den Kampfkünsten, denn auch die moderne TCM stützt sich auf 5 Säulen.

1. Akupunktur / Akupressur / Moxibustion

2. chinesische Arzneimitteltherapie

3. Tuina - Massage

4. chinesische Bewegungslehre

5. Ernährungslehre / Diätetik 

Die chinesische Bewegungslehre ist also ein entscheidender Teil der TCM und besteht heute meist aus Übungen aus den Bereichen Taiji und Qigong, aber prinzipiell sind alle Stilrichtungen der traditionellen chinesischen Kampfkünste Bestandteil der Bewegungslehre der TCM.

Weitere Verbindungen zwischen TCM und Kampfkunst zeigen sich unter anderem auch durch die Einflüsse der 3 Religionen (Konfuzianismus, Daoismus, Buddhismus). Wie oben schon erwähnt, entstammt die Säule der Bewegungslehre der buddhistischen Strömung.

Aus dem Daoismus entstammen u.a. das Prinzip des Yin & Yang, sowie das Prinzip der 5 Wandlungsphasen ("Elementenkreis"). Wer sich schon länger mit den traditionellen chinesischen Kampfkünsten, und vor allem mit den Familienstilen beschäftigt, weiß, dass sowohl das Prinzip von Yin & Yang als auch die 5 Elemente eine teils wichtige Rolle beim Verständnis der Formen sind.

[Im Hong Jia (Hung Gar) Kung Fu gilt die Tie Xian Quan (Tit Sin Kuen 鐵線拳 - Eisenfaden Faust) als die höchste Form. Das besondere an dieser Form ist, dass sie nicht für das Erlernen von Kampftechniken sondern für den Erhalt, die Förderung bzw. die Wiederherstellung der Gesundheit des Übenden ist. U. a. die speziellen Atemtechniken und Atemlaute sollen in Verbindung mit den Bewegungsabläufen auf bestimmte Organe oder Organsystem einwirken und den Energiefluss anregen, korrigieren oder wiederherstellen. Auch kann eine falsche Ausführung dieser Form den gegenteiligen Effekt und somit Störungen im Energiefluss erzeugen, welches am Ende Organe bzw. Organsystem schädigen kann. Daher sind alle der Tit Sin Kuen untergeordneten Formen (Gong Zi Fu Hu Quan 工字伏虎拳 -> Hu He Shuang Xing Quan 虎鶴雙形拳 -> Shi Xing Quan 十形拳 (bestehend aus der Wu Xing Quan 五形拳 & Wu Xing Quan 五行拳) darauf ausgerichtet, schrittweise die richtigen Bewegungen und vor allem Atemtechniken zu erlernen. Hierfür ist zudem eine genaue Kenntnis der Meridiane, also Energiebahnen, des menschlichen Körpers notwendig, um Störungen dieser Bahnen richtig zu interpretieren und entsprechend auch anzuregen.]

Die TCM findet verschiedentlich Anwendung in den chinesischen Kampfkünsten. Meist waren die Meister und Großmeister auch zugleich Ärzte oder Heiler (wie anfangs schon erwähnt). Wer Meister werden wollte, musste die Prinzipien des Wu De (Mo Dak) verinnerlichen und nach ihnen handeln und Leben. Diese Tugenden der Kampfkunst besagen im Kern: "Wer die Fähigkeit hat zu verletzten, muss auch die Fähigkeit besitzen zu heilen und diese vorrangig einsetzen." (Verletzen kann jeder, heilen nicht!!! Auch das ist ein Unterschied zwischen Schüler und Meister)

Selbst heute noch wird die Ausbildung zum Meister der traditionellen chinesischen Kampfkünste (besonders aber in den traditionellen Familienstilen) daraufhin ausgerichtet, ein grundlegendes Verständnis der TCM zu erlagen und ebensolche Behandlungsmethoden zu beherrschen, sei es um sich selbst oder anderen bei Verletzungen helfen zu können.

Ein sehr bekannter Zweig der TCM, eine sehr alte Heilkunst, die besonders im Hung Gar verwendet wird ist das sogenannte Dit Da. Dit Da ist deswegen in den traditionellen Kampfkünsten so verbreitet, weil es eine recht einfache, und doch sehr vielfältige Kräuterheilkunde ist. Das bekannteste "Mittelchen", welches heute auch in anderen Kampfkünsten verwendet wird ist das Dit Da Jow ("Sturz- und Stoß Wein"). Dieses Dit Da Jow gibt es sowohl für die innerliche und äußerliche Anwendung, wird aber in der Regel nur äußerlich verwendet. Besonders bei Abhärtungsübungen der Schienbeine und Unterarme ("Brücken-Arme") soll das Dit Da Jow vorher und nachher angewandt werden, um Schwellungen und Blutergüsse zu vermeiden, Schmerzen zu lindern, den Heilungsprozess anzuregen und die entsprechenden Stellen widerstandsfähiger zu machen.

Die Herstellung des Dit Da Jow ist sehr unterschiedlich, aber im Grunde nicht sehr schwierig. Jede Schule, vielleicht auch jeder Meister, verwendet seine eigene Kräutermischung, die in der Regel mit Alkohol oder Öl aufgegossen werden. Es dauert manchmal Monate bis das Elixier gereift und für die Anwendung bereit ist. Die Rezepturen werden in den Schulen von Meister zu Meister weitergegeben und selbstverständlich, wie es die Tradition verlangt, selbst hergestellt. Doch wie alles kann man auch Dit Da Jow heutzutage auch fertig kaufen.

In ähnlicher Weise können auch Salben hergestellt werden, die einen ähnlichen Effekt erzielen. Hierbei werden jedoch keine getrockneten Kräuter verwendet, sondern deren Essenzen in Form von ätherischen Ölen. Die bekannteste Salbe dieser Art ist das Tigerbalm. Man kann es selbst herstellen, aber mittlerweile auch in jeder Drogerie kaufen.

Neben der Kräuterkunde sollte sich ein erfahrener Schüler oder Meister auch grundlegende Techniken der Akupressur und der Tuina - Massage aneignen, um z.B. Prellungen, Verspannungen, Kopfschmerzen usw. behandeln zu können. Dafür wiederum ist das Verständnis der Meridian-Theorie sowie der Prinzipien von Yin & Yang und der 5 Wandlungsphasen wichtig, um die Beschwerden nicht zu verschlimmer, sondern die Techniken als Heil-Methoden einsetzen zu können. 

Die TCM ist kein wichtiger Teil um chinesische Kampfkünste zu erlernen, aber ein entscheidender Teil sie zu verstehen und bis zur Meisterlicheit zu entwickeln. Selbst wenn man mit Kräuter, Tinkturen oder Massagetechniken nicht viel zu tun haben möchte, ermöglicht erst das Wissen um die Grundlagen dieser Behandlungsmethoden (Yin & Yang, Qi - Fluss, Elementelehre, ...) das vollständige erfassen der Techniken die man mit den chinesischen Kampfkünsten erlernt.





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